Datenleck?

Wenig überraschend zeigt sich, dass das „Datenleck“ bei Facebook einen größeren Durchmesser hat, als bisher angenommen.

Der morgendliche Nachrichtenscan warf bei der FAZ ein Aufmacher aus, dass es wohl ein paar Adressen mehr sein könnten, die da abgegriffen wurden. Mich stört die sich modifizierende Wortwahl. Soweit mir bekannt, lebt Facebook davon, dass Adressen Firmen für Werbezwecke angeboten werden. Auf dieser Grundlage hat Cambridge Analytica die Daten ursprünglich erhalten. Das als „Datenleck“ darzustellen, erweckt den Anschein, dass was schief gegangen sei.

Wie kann das grundlegende Geschäftsmodell von Facebook nun ein „Datenleck“ sein? Der Umstand, dass dabei ein paar mehr Adressen raus gingen, ist kaufmännisch betrachtet erst mal dahingehend doof für Facebook, weil sie ihre Ware verschenkt statt verkauft haben. Richtig blöd ist, dass sie dabei erwischt wurden, Daten ohne jegliche ethische Fragen rausgelassen zu haben. Wobei „Adressen zu Werbezwecken sammeln“ in Kombination mit „Ethik“ per se schon ziemlich problematisch ist.

Wenn Herr Zuckerber jetzt bekräftigt, dass er keinesfalls wolle, „dass irgendjemand unglücklich ist“ dürfte das vor allem ihm und seinen Aktionären gelten. Es geht demnach wohl eher um ein potenzielles Umsatzleck, dass es bei Facebook zu verhindern gilt. Dabei ist Cambridge Analytica eher ein Bauernopfer. Soweit mir bekannt, wurde zwar deren Sitz in London durchsucht. Vergleichbare Maßnahmen im Hauptsitz New York sind mir keine zu Ohren gekommen. Mag sein, dass der Laden jetzt ein Bein verloren hat, doch mit dem verbliebenen können sie munter weiter humpeln und sich am Stumpf eine Prothese anschrauben.

Cambridge ist überall. Dieser Artikel bringt es auf den Punkt. Was die FAZ verharmlosend „Datenleck“ nennt, ist eine florierende Industrie. Und wir sind die Ware.