Das E-Auto wird am Strom scheitern

In Edelklamotten mit iPhone twitternd fordern junge Menschen Umweltschutz ein. Das E-Auto ist dabei ein wichtiger Baustein.

Der Gedanke dahinter erscheint naheliegend. Strom macht keinen Dreck, also sind E-Autos besser als „Verbrenner“. Zumindest direkt am Fahrzeug erscheint das so. Denn Strom kommt zwar aus der Steckdose, doch wo der herkommt, wird bei den angestellten „partiellen“ Überlegungen meistens ausgeklammert. Kohlekraftwerke sollen besser heute als morgen abgestellt werden, Windräder drehen sich zwar, doch Leitungen würden die Landschaft verschandeln, der Strom bleibt deshalb ungenutzt, Solaranlagen und Windräder werden mit immer neuen Auflagen zunehmend unattraktiv: Wo kommt er her, der Strom, den wir zusätzlich brauchen?

Bereits das Beladen eines E-Autos ist eine bürokratische Hürde. VW bietet jetzt zwar eine günstige Ladeeinheit („Wallbox“) an. Die ist jedoch relativ unnütz, wenn der Leitungsbetreiber den Anschluss verweigert. Was er zunehmend tun wird. 11kW Ladung aus dem Netz ziehen, bringt eben dieses schnell an seine Grenzen. Bemerkenswerterweise ausgerechnet in den Wohngebieten, deren Bewohner sich teure E-Autos leisten können, die Garage für einen geschützten und dedizierten Ladevorgang dafür vorhanden wäre, sogar der Wille zur „ökologischen Umstellung“ gehäuft auftritt.

Bei der Planung dieser Habitate hatte jedoch niemand erwartet, dass die mal den Strombedarf einer Industrieanlage haben könnten. Da wurden Leitungen für „Haushaltsstrom“ gelegt. Schon der zeitgleiche Betrieb aller Induktionsfelder in den Omas schlichte Ausstattung ersetzenden, präsentablen High-Tech-Küchen mit 7-10kW Spitzenleistung, könnte das Viertel verdunkeln. Zum Glück für die Stromversorger und Leitungsbetreiber sind das jedoch zunehmend Anschauungsobjekte. Vom Frühstücksmüsli und einer Fertigsuppe für den kleinen Hunger abgesehen, wird meistens auswärts gegessen.

Was den Kreis zum E-Auto schließt, dass für diese Unternehmung der trendige und – vermeintlich – ökologische Begleiter wäre. Doch da gibt es kein Entkommen: Die fahren nur, wenn sie aufgeladen werden können. Schlaue Bio-Restaurants lösen das mit einer Ladesäule vor dem Haus. Sie sorgt für Kundenbindung, weil die keine eigene genehmigt bekommen. Je mehr E-Autos die Kundschaft fährt, desto heftiger werden die Revierkämpfe vor den wenigen Ladeplätzen ausfallen. Wenn deshalb dort der Strom pro kW einen Euro aufwärts kostet, wird „Status“ völlig neu definiert: Wer hier lädt, hat es zu was gebracht!

Genau hier ist dann „Ende der Fahnenstange“. Es spielt überhaupt keine Rolle, mit welcher Kraftanstrengung die GroKo Ladesäulen in die Landschaft stellt. Denn die brauchen das, wofür sie da stehen: Strom. Es ist jetzt schon zunehmend ein Problem, die Grundversorgung für den erforderlichen „Allgemeinstrom“ zuverlässig im Netz bereitzustellen. Weil Wind und Sonne keine planbaren Lieferanten sind, bezahlbare Pufferspeicher in geeigneter Größe auf absehbare Zeit fehlen, wird unser Stromnetz zunehmend instabil. Was das wachsende Angebot von mit fossilen Brennstoffen betriebenen Generatoren in Baumärkten erklären könnte.

Ohne planbarer Energieversorgung mit substantieller Leistung (Kohle-, Gas-, Atomkraftwerk, Stausee, Batteriespeicher?) ist die Thematisierung von Lösungen für den Individualverkehr eine Luxus-Diskussion, die sinnlos Zeit verplempert. Der Grund ist offensichtlich: Die erforderliche Energie für den Transport eines Menschen von „A“ nach „B“ ist signifikant niedriger, wenn dafür keine schwere „Transportverpackung“ mitbewegt werden muss. Da aktuell die verlässliche Versorgung eher ab- denn zunimmt, müssen sich Klima-Anstrengungen der Realität stellen, dass mit weniger zuverlässig verfügbarer Energie mehr verlässlich geleistet werden muss. Das wird nur durch „Bündelung“ erreichbar sein, also signifikant und schnell verbessertem öffentlichem Fern- und Nahverkehr.

Statt „fehlende Energie verplanen“ ist „Energie sparen“ der Schlüssel. Jedenfalls dann, wenn das Ganze mit der breiten Masse multipliziert werden soll. Was ebenfalls Ziel sein muss, sollen die Pläne überhaupt Wirkung entfalten. Die müssten dafür über wirtschaftliche, ordnungspolitische und vor allem wahltaktische Interessen gestellt werden. Was – zumindest mit unserer aktuellen GroKo – keine Erfolgsaussichten hat.

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