Das Anstandsmesser

Hubert Aiwanger, stellvertretender Ministerpräsident in Bayern, hat die Lösung für die Gewalt-Probleme unserer Zeit.

»Ich bin überzeugt, Bayern und Deutschland wären sicherer, wenn jeder anständige Mann und jede anständige Frau Messer in der Tasche haben dürfte und wir würden die Schwerkriminellen einsperren.«
Quelle: Münchner Merkur

Was zum „Schönsaufen“ dabei? Der „gute Mann“ wird jetzt mit Worten wie „dumm“, „gefährlich“ oder „Taschenmesserpopulist“ beworfen. Der Fokus liegt auf dem harmlosesten Aspekt der Aussage, statt sie sich mal genau anzusehen.

Ich meine keineswegs die Reihenfolge erst Bayern, dann Deutschland. Das ist ein bayrischer Politiker in einem „Freistaat“. Das ist da völlig normal. Ebenso die Rangfolge erst Mann, dann Frau. Der Schöpfungsgeschichte folgend, ist das nun mal so, immerhin wurde die Frau aus der Rippe des Mannes geformt, In manchen tiefbayrischen Provinzen hält sich allerdings hartnäckig das Gerücht, es sei nur deshalb eine Rippe gewesen, weil „am Oasch“ kein Knochen übrig war.

Spannender ist die „Exklusion“ der Aussage. In Bayern gibt es keine „Diverse“. Da gibt es Männer und Frauen, vorzugsweise in Tracht. Die wiederum werden unterschieden in Anständige und Unanständige. Letztere dürfen keine Bewaffnung mit sich führen. Das ist konsequent und bestechend einfach. Die Anständigen dürfen, doch weil anständig, ist der Transport sinnlos, denn sie werden keinen Gebrauch davon machen. Die Unanständigen haben dann keine Bewaffnung, können also niemandem mehr Böses tun. Die diversen Anderen gehören tendenziell zu den Unanständigen, deshalb wurden sie ebensowenig explizit erwähnt. Die heile Weltbild-Zerstörer, worunter alles fällt, was in den eigenen Anschauungen stört, werden unter „Schwerkriminelle“ zusammengefasst und dauerhaft weggeschlossen. Hossa! – schon ist die Welt wunderschön.

Wie das mit den „Anständigen“ funktioniert? Das ist doch absolut naheliegend und bestechend einfach. Natürlich sind alle Kirchgänger anständig. Die bekommen dann ein Symbol ans Revers – z.B. einen gelben Stern – und dürfen Messer tragen – wohlgemerkt: das ist Mehrzahl, also auch mehr als eins. Was sie sich insgeheim dann sogar sparen könnten, denn weil ja jeder glaubt, es könnte ihnen jederzeit das Klappmesser in der Hose aufgehen, werden sie von den Unanständigen respektiert und die Straßenseite gewechselt. Wenn es mal mehr Anständige braucht, damit Unanständige in ihre Schranken gewiesen werden, ist so eine Markierung natürlich gleichermaßen hilfreich.

So funktioniert bayrische Politik. In der Kirche gibt die Dreifaltigkeit, bei den Politikern die Einfältigkeit. Wobei die bedauerlicherweise keinen Respekt vor der bayrischen Freistaat-Grenze kennt und mittlerweile die Politiker-Kaste weltweit bedroht. Womöglich wäre es sinnvoller, statt Messern Hochprozentiges in geeigneter Menge mit sich zu führen. Dann können es sich zumindest die Anständgien schönsaufen.

Das Bild stammt von Pixabay.