CO2 Hyperaktionismus

Die Politik überschlägt sich gerade bei Umweltfragen. Es fehlt „lediglich“ noch ein Plan. Daher ist das, was gerade passiert, bizarrer Blödsinn.

Einzellösungen sind kein Plan. Die Politik feiert die Abschaffung des Plastikstrohhalms, als habe sie einen epochalen Schritt getan. Dass wir immer mehr Einwegflaschen-Müll produzieren, ist dagegen wohl ein vernachlässigbares Detail. Wir sollen weniger Fleisch essen, Autofahren ist gaaanz schlimm, nur unverpacktes Essen kaufen, keine Häuser mehr bauen, … – kurzum: die Luft anhalten oder uns am besten gleich in den Komposter werfen.

Das Leben „an und für sich“ erzeugt Verbrauch. Wenn unser volkswirtschaftliches Kernkonzept auf stetiges Wachstum ausgelegt ist, kostet es zwangsweise sinnlos Ressourcen, denn Nachhaltigkeit ist der natürliche Feind des Konsums. Deshalb benötigen wir beispielsweise riesige Kleiderschränke, weil „man“ jeden Tag was anderes anziehen muss, damit niemand tuschelt.

Obdachlose sind da schon einen Schritt weiter. Jedoch weniger aus Gründen des Umweltschutzes. Sie tragen Kleidung aus logistischen Gründen über signifikant längere Zeiträume. Dafür könnten sie vor echten Herausforderungen stehen, sollte das seit Jahrzehnten überfällige Plastiktütenverbot doch mal kommen. Damit verlören sie ein wichtiges Transportmittel für die gesammelten Pfandflaschen, die soziale Mitmenschen als Sachspende überall herumliegen lassen oder für sie in Mülltonnen verstecken.

Wir gleichen den Verlust an Plaste-Müll mit „Pods“ aus, weil wir der Werbung folgend zu blöd sind, loses Waschpulver kleckerfrei aus einem Karton in die Maschine zu bekommen. Natürlich sei die Folie biologisch abbaubar, die zusätzlich verbrauchten Ressourcen sind mit Blick auf den erzielbaren Gewinn kein Thema. Dass „biologisch abbaubar“ keine belastbare Aussage über den Zeitraum, sowie Aus- und Wechselwirkungen auf die Umwelt darstellt – wer will schon bei dem (vermeintlich) gewonnen Komfort kleinkarierte Fragen stellen.

Gurken sollen keine Folie mehr haben, dafür werden sie mit etwas besprüht, das die gleiche Funktion haben soll, aber mitgegessen werden könne. Die Natur nennt das „Schale“. Die hat jedoch den Mangel, dass dort kein Transport über tausende Kilometer im Design vorgesehen ist, bei dem sie vergammeln würden – was die „garantiert unschädliche“ Zwangsverpackung verhindern soll. Rückblickend auf so vieles, dass uns als „unbedenklich“ angepriesen wurde, weckt das zumindest bei mir Zweifel.

Eine Verpackungsverordnung nötigt uns selbst bei sorgfältiger Produktauswahl Unmengen an Müll auf, den wir im „gelben Sack“ entsorgen. Davon stehen nahezu vor jeder Haustür am Abholtag mindestens zwei, bei konsumorientierteren Käufern schon mal unzählbare Fußweg-Hindernisse. Zum Einsammeln fährt ein dicker LKW langsam vor sich hindieselnd durch jede Straße. Hier entsteht das CO2 natürlich für eine gute Sache. Recycling ist mittlerweile ein straff organisiertes Milliardengeschäft. Den vordergründigen Umweltgedanken sollte niemand hinterfragen, der beim „Tatort“ schon mal geweint hat.

Wer was für das Wirtschaftswachstum tut, muss sich im Gegenzug für alles schämen. Für seinen Konsum, für’s dafür erforderliche Autofahren oder Fliegen, ordentliche Klamotten. Dass er in einer ruhigen Wohnung wohnt, statt auf seinem Bürostuhl in einem Großraumbüro, das durch die Körperwärme der Anwesenden beheizt wird, die sich mit Trommeln statt Mobiltelefonen verständigen. Rauchzeichen mit Feuer für weitere Distanzen verbietet sich natürlich wegen des Feinstaubs. Wenn „Grüne“ über ein Luftballon-Verbot nachdenken, werden demnächst Schweineblasen wieder der Renner in der Drogerie, Kondome folgen naheliegenderweise als Nächstes.

Klassische Feldherren würden das, was gerade passiert, als „periphäre Scharmützel“ bezeichnen. Würden sie unsere Politiker nach der großen Strategie fragen, hätten wahrscheinlich alle sofort dringende Termine. Jedenfalls dringender, als ein belastbares, glaubwürdiges Gesamtkonzept, das eine funktionierende Volkswirtschaft, Umwelt, Nachhaltigkeit und zufriedene Menschen harmonisch vereinen soll.

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