Bewertungsportale

Zufällig bin ich über ein mir unbekanntes Bewertungsportal gestolpert. Eine Verlinkung fehlt hier bewusst. Es ist ein perfektes Beispiel dafür, dass Information im Internet kritisch hinterfragt werden müssen.

Bewertungen, die der Zeit voraus sind "Es ist mir erst auf den zweiten Blick aufgefallen. Die Seite sieht schick, aufgeräumt, sehr professionell aus. Eine Liste Neue Erfahrungsberichte suggeriert Aktualität aufgrund einer aktiven Nutzergemeinde. Was mich etwas stutzig machte war der graue Text rechts oberhalb der Artikel .

Wie kann heute, am 23.02.2018 eine Bewertung vom 19.05.2018 die Liste anführen?

Nun. Sie kann es einfach. Allerdings sind alle Bewertungen mit einem Datum in der Zukunft versehen. Wer „weiterlesen“ anklickt, landet dann auf Bewertungen, die deutlich älter sind, genau genommen 2 Jahre vor dem Termin geschrieben wurden, der auf der Startseite ausgewiesen wird. Mit diesem Wissen ausgestattet ist die „Aktualität“ der Seite präzise bestimmt. Völlig veraltet, tote Community.

So einfach ist die Einschätzung einer Portalqualität allerdings eher selten. Es gibt reichlich Seiten, die vermeintliche „Spezialinfos“ anbieten, dabei jedoch nur ein Ziel verfolgen: der Besucher soll auf den Link zu Amazon klicken, weil der Seitenbetreiber dafür Geld kassiert.

Bei Amazon lassen „Kundenbewertungen“ gelegentlich erahnen, dass der Schreiber keine Ahnung von dem Teil hat, dass er beschreibt. Er muss halt einen Mindesttext schreiben, wenn er eine fünf Sterne-Bewertung für das Produkt platzieren will. Oder das holprige Deutsch signalisiert, dass Google-Translate noch schwächen hat, der sich ein chinesischer Anbieter womöglich nur bedingt bewusst ist, wenn er sich selbst über den Klee lobt.

Wie groß das Geschäft „Bewertungsportal“ ist, lässt die Reaktion von Jameda auf das BGH-Urteil erahnen. Denn es geht vor allem darum, mit möglichst breiter Streuung die Zugriffe auf eine Seite zu ziehen. Ist ein Besucher erst einmal dort, wird er schon weiterklicken und dem Portal Geld bescheren. Der Nutzen für den Besucher ist dabei zweitrangig.