Bessere Lesbarkeit

Eine neu entwickelte Schrift soll Lesehindernisse reduzieren. Nachdem ich sie testweise im Editor ausprobiert habe, erweitere ich den Test auf meinen Blog.

Die Schrift „Lexend Deca“ aus der Lexend-Familie ist die kompakteste aus Sortiment, mit dem sich – in den USA nachgewiesene – Leseschwierigkeiten reduzieren sollen. Angeblich haben dort fast 70% der Bevölkerung ein „Leseproblem“. Ob das analog auf andere Sprachräume übertragbar ist, bleibt die Informationsseite schuldig. Da ich selbst schon mehr als einmal Zeuge von ernüchternder Leseleistung von in gängigen Skalen betrachtet „gebildeten“ Menschen war, halte ich es für durchaus wahrscheinlich.

Die angebotene Lesetest-Simulation hat mich ehrlicherweise überrascht. Die dort einstellbaren 400 Worte/Minute konnte ich recht entspannt mitlesen, was fraglos an einer hohen Leseroutine meinerseits liegt. Wie viel entspannter es mit „Lexend Deca“ ging fand ich bemerkenswert, weshalb ich die Schrift spontan auf meinen üblichen Arbeitsplätzen eingerichtet habe. Eine direkte Konsequenz daraus: Im Editor fallen mir damit Tippfehler schneller und leichter auf.

Typografisch wirkt der Font grobschlächtig. Er hat keine Eleganz, wirkt holprig. Was mit Blick auf den Zweck eines Textes jedoch in den Hintergrund tritt, wenn dafür im Gegenzug die Lesbarkeit erhöht ist. Wobei die Triebfeder für die Fonts einerseits eine reduzierte Fehlerquote beim Lesen als auch eine höhere Lese-Rate an Wörtern pro Minute war.

Bisher bin ich davon ausgegangen, dass ein Serifen-Font, also einer mit „Schnörkeln“ aufgrund zusätzlicher „Symbol-Information“ besser lesbar ist. Zumindest kann ich mich an (ältere) Studien erinnern, dass bei gedruckten Dokumenten Serifen-Schriften den Vorzug geringerer Ermüdung hätten, weil die Buchstaben – aufgrund der Serifen – leichter erkennbar seien. Auf älteren Monitoren ließ sich das aufgrund geringer Auflösung so kaum halten, weshalb dort lange „Arial“ das Maß der Dinge war. Mit zunehmender Pixeldichte auf Displays werden aus Klötzchen wieder gut erkennbare Serifen, weshalb ich den Font „Bitter“ für meine Webseiten verwende, weil er gegenüber anderen Serifen-Schriften etwas großzügiger angelegt ist (Skalierung, Abstände).

Das die den Lexend-Schriften zugrunde liegende Studie das als wichtige Aspekte für bessere Lesbarkeit einstuft, jedoch zusätzlich unterstellt, dass eine „schnörkellose“ Sans-Serif-Schrift das »kongnitive Rauschen« reduzieren würde, sehe ich etwas differenzierter. Denn allein Lesen ist nur die halbe Miete – Lesende müssen es letztendlich „allein und selbständig“ kapieren. Ob die Reduktion von Schnörkeln dafür tatsächlich mehr Kapazitäten frei setzt, erscheint mir etwas weit her geholt.

Ich gehe soweit mit dieser These, wenn sie auf den Bildschirm beschränkt wird. Denn dort werden Serifen zwar mittlerweile besser dargestellt, mit einem guten Druck können jedoch nur wenige Anzeigen mithalten. Die Darstellung hat zweifellos gegenüber einen „glatten“ Schrift immer eine gewisse Unschärfe. Wenn durch Weglassen der Serifen die Lesbarkeit und damit die Verständlichkeit eines Textes erhöht werden kann, spricht einiges für deren Verwendung, die damit einhergehende ästhetische Minderung ist hinnehmbar.

Deshalb probiere ich das hier im Blog aus und freue mich über jegliches Feedback dazu. Denn objektiv betrachtet ist mein Eindruck dazu nachrangig. Unabhängig davon, dass Bloggen unstreitig in hohem Maß eine Nabelschau ist, sollen damit Lesende erreicht werden…

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