Aufpassen!

Ja die Schweizer. Die sind so ein bedächtiges Volk, aber sie brauchen natürlich trotzdem Schutz. Deshalb haben Sie — natürlich — auch einen Geheimdienst. Der hat — natürlich — einen Chef. Den Oberschlapphut sozusagen. Bei den Schweizern ist der das aber augenscheinlich nicht aufgrund herausragender Spionagefähigkeit geworden. Denn sonst hätte er was merken müssen.

Die Frage, ob es ein deutscher Geheimdienstler bemerken würde, wenn er selbst Opfer ist, stellt sich vorerst nicht. Nach der Nummer werden sicher alle geheimdienstlich Tätigen in den nächsten Wochen stärkere Nackenmuskeln bekommen. Vom vielen links und rechts umsehen. So mancher wird sich wegen Oberschenkel-Muskelrupturen krank melden, wegen der abrupten Richtungswechsel beim Weihnachtsshopping. Wer will schon auf irgendeiner Enthüllungsplattform lesen, dass der Frau ein Buch und der Gespielin ein transparenter Tanga gekauft wurde.

Ich finde die Aktion grundsätzlich außerordentlich amüsant und genau die richtige Antwort auf den Überwachungswahnsinn. Was mir missfällt, ist die damit im Grunde verknüpfte Erpressung:

Einmal Privatleben für x Euro bitte?

Der Geheimdienstchef ist keine typische Person des öffentlichen Lebens — sonst passt das „geheim“ im Titel nur bedingt. Sicherlich ist es für ihn mal eine interessante Erfahrung, wenn er am eigenen Leib erfährt, was seine Truppe täglich mit Mitmenschen anstellt. Allerdings gibt es einen kleinen, in meinen Augen nicht ganz unerheblichen Unterschied: Die Geheimdienstler wissen zwar so manches über so manchen, gehen damit aber nicht via Sonderausgabe an die Öffentlichkeit.

Die Privatheit der Oberservierten ist sicherlich nicht mehr ganz dass, was der unwissentlich Beobachtete glaubt. Wenn die Geheimdienstler dicht halten, wird er es aber nie erfahren, das Leben geht in diesem Fall ohne Störungen einfach weiter. Ich will damit keinesfalls rechtfertigen, dass die Geheimdienste nur munter überwachen sollen. Praktisch betrachtet entsteht der Schaden jedoch erst dann, wenn Beobachtungen öffentlich werden. Dabei gehen die Geheimdienste definitiv nicht voran, dass ist eher die Presse, die ein sabberndes Interesse an Dingen hat, die normalerweise im Privaten bleiben. Wenn Nacktbilder von Leuten nicht mehr ausreichen, die aus irgend einem Grund als gesellschaftlich relevant eingestuft werden, dann kann man als Journalist weiter gehen. Das ist die Aussage, die hier zwischen den Zeilen steht. Als Journalist habe ich aber nichts davon, wenn ich es für mich behalte, das ist nicht der Kern meiner Profession. Spontan frage ich mich, vor wem ich ggf. mehr Angst haben muss. Dem Geheimdienst, der womöglich etwas über mich weiß, oder der Presse, die eine leere Seite füllen muss.