Apperitis

„Früher“ war das Leben in der digitalen Welt einfacher. Da reichte ein Browser.

Wenn ich mir das aktuelle Fernsehprogramm, genauer: die dort laufende Werbung ansehe, erkenne ich mich als Außenseiter. Denn gefühlt jeder zweite Werbespot erklärt mir die Vorzüge einer App, die ich unbedingt benötige.

Damit ist aber nicht die Universalapp „HTML-Browser“ gemeint, die beispielsweise diesen Text hier zugänglich macht. Nein. Es geht um eine, bzw. je eine App für je eine Sache. Damit kann ich dann — angeblich — beispielsweise ganz toll Klamotten verkaufen, aber eben nicht mehr diesen Text lesen. Oder in einem anderen App-Fenster mal schnell vergleichen, was bei anderen Plattformen mit meinen ausrangierten Kleidungsstücken möglich wäre.

Typischerweise gibt es zu diesen Apps keine Alternative, wenn ich an der ach so hippen Community teilnehmen will. Wobei die sich nur aus angemeldeten und ansonsten idealerweise abgenabelten Mitgliedern zusammensetzen kann. Man ist schön unter sich, lass die Welt da draußen doch alleine stattfinden.

Der für den Anbieter wichtige Aspekt ist die Bequemlichkeit der Nutzer, die nicht zwischen zwei oder mehr Apps herum springen wollen. Weil das smarte Telefon für solche Aktionen irgendwie gar nicht mehr so smart, sondern ziemlich fummelig ist. So halten die Trägheit der Anwender und technische Einschränkungen der Geräte die Konkurrenz vom Hals.

Mir fallen Entscheidungen bei App-Communities sehr leicht: Ich bin eine uninteressante Randgruppe mit meinem Windows-Telefon und meinem Windows Desktop. Wer Apps will, muss ein I- oder Android-Phone besitzen. Mutmaßlich auch in einer einigermaßen aktuellen Version, weil die Apps ja nicht, wie beispielsweise diverse Windows-Programme von mir, seit Windows NT ohne Nachbesserung bis heute, über alle Betriebssysteme dazwischen, auf meinem Windows 10 laufen.

Vielleicht ist es etwas weit hergeholt. Aber mit diesen Apps verkümmert das world wide web zum Lastenesel von geschlossenen und sich abschottenden Gruppen. Irgendwie ein Spiegel der Realität, wo angehende Präsidenten mit Mauern abschotten wollen, oder dumpfbackige Parolen blöckende Demonstranten deutlich machen, dass sie unter sich bleiben wollen. Wogegen ich grundsätzlich nichts habe, aber macht das doch bitte mit einer App, denn auf der Straße bleibt ihr nicht unter euch. Vielmehr nötigt ihr euch auf.

Was dann zur Newstickeritis bei den Zeitungen führt. Noch so eine neuzeitliche Seuche.