Alle freut Das

Genauer: rund drei Viertel. Als vorübergehendes Phänomen lässt sich das damit jedoch ebenso wenig bezeichnen, wie mit „alles Protestwähler“ abtun.

Die Verlierer machen natürlich wieder genau das, weshalb sie verlieren. Sie stellen sich hin und reden von Erfolg, man habe gut gearbeitet – alles Schwachsinn. Es gab richtig eins auf die Fresse. Allein taktische Wähler haben wahrscheinlich für das dicke Ende noch ein paar Jahre Aufschub herausgeschlagen. Zumindest in meinem Umfeld habe ich auffallend häufig gehört, dass genau das in der Wahlkabine gemacht worden sei. In den „Wahlanalysen“ haben die Verlierer sich damit getröstet und gerechtfertigt.

Fakt ist: Abgesehen von AfD und Grünen haben alle anderen Parteien in Brandenburg und Sachsen ordentlich abgekackt. Die FDP hat zwar wie die freien Wähler zugelegt. Verloren hat sie trotzdem, denn in beiden Fällen war es insgesamt zu wenig für die Wahlhürde. Doch das sind natürlich Fake-Zahlen. Was die Ergebnisse umso bedenklicher macht. Bereinigtsehen die Zahlen etwas anders aus.

Das echte Wahlergebnis für Brandenburg

Tatsächliche Ergebnisse Brandenburg
Partei    Amtliche Zahl       Tatsächliche Zahl   
SPD 26,2% 16,06%
AfD 23,5% 14,41%
CDU 15,6% 9,56%
Grüne 10,8% 6,62%
Linke 10,7% 6,56%
BVB/FW 5% 3,07%
FDP 4,1% 2,51%
Andere 4,1% 2,51%
Wähler 100% 61,30%
GmaAv 0% 38,70%

Das echte Wahlergebnis für Sachsen

Tatsächliche Ergebnisse Sachsen
Partei    Amtliche Zahl       Tatsächliche Zahl   
CDU 31,1% 20,71 %
AfD 27,5% 18,32 %
Linke 10,4% 6,93 %
Grüne 8,6% 5,73 %
SPD 7,7% 5,13 %
FDP 4,5% 3,00 %
FW 3,4% 2,26 %
Andere 6,8 % 4,53 %
Wähler 100% 66,61 %
GmaAv 0% 33,39 %

In beiden Bundesländern liegt GmaAv in der Bevölkerung mit zweistelligem Abstand vor denen, die sich als Gewinner bezeichnen. Diese stille, echte Mehrheit sollte den Parteien zu denken geben. Denn die Gruppe derer, die „geht mir am Arsch vorbei“ sagt, kann offenbar im Politik-Betrieb unserer Demokratie niemanden ausmachen, für den sich der Weg zur Wahlurne lohnt.

Die Gruppe ist zwar bei diesen Wahlen wider etwas kleiner geworden. Wem das genützt hat, liegt deutlich auf der Hand: den wahren Gewinnern. Das ist ohne wenn und aber die AfD. Statt Herumgejammere und Beschönigungsversuchen sollten sich die übrigen Parteien die Frage stellen, worin das Erfolgsrezept dieser Gruppierung liegt. Ein wesentlicher Aspekt dürfte die „klare Ansage“ sein. Also das, was die übrigen Parteien weitestgehend abgelegt haben. Während sich Partei-Legenden wie Brandt, Strauss & Co. noch klarer Worte bedienten (weshalb sich die AfD Brandt’s bediente!), bewegen sie sich zunehmend im Ungefähren, Unscharfen, Allgemeinen, Unbestimmten. „Auf den Punkt kommen“ gilt augenscheinlich als politisch inkorrekt.

Weil die Einpeitscher der AfD genau darauf einen dicken braunen Haufen scheißen, können sie Menschen erreichen. Was natürlich erheblich einfacher geht, wenn die Aussagen noch nirgends auf dem Prüfstand der Realität ihre Tauglichkeit beweisen müssen. Da lässt es sich gut schwadronieren. Die konsternierten Marktbegleiter der AfD sollten sich deshalb eventuell von der Strategie Ausgrenzung verabschieden und sie in die Verantwortung zwingen. Das Risiko, dass die Parolen-Schreier tatsächlich im Tagesgeschäft etwas auf die Reihe bekommen, muss mit der Gefahr abgewogen werden, die eine wachsende Gruppe unzufriedener birgt. Ich halte ersteres für sehr überschaubar, während wachsende Unzufriedenheit kein guter Nährboden für eine demokratische Gesellschaft ist.

Abgesehen von denen, die daraus Kapital schlagen, kann das objektiv niemanden freuen.